Kleindenkmale in Tailfingen: ChangeMe

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Wiesasprezer-Brunnen

Der Künstler Albrecht Kneer lehnte 1987 das Motiv des Brunnens an den Dorfnecknamen „Wiesasprezer“ an: Ein Pferdegespann vor einem Wasserwagen, daneben versteckt an einem Baum ein Bauer beim Wasserlassen. Dies zeigt zwei Möglichkeiten, wie früher bei einer Dürre die Wiesen und Felder besprengt worden sein sollen. „Spreza“ ist der schwäbische Begriff dafür. Unter Schatten spendenden Kastanien ermöglichen zwei große und zwei kleine Becken Kindern das Spiel mit dem Wasser.

Erklärung der Ortsnecknamen 

Der Tailfinger Ortsneckname ist "Wiesasprezer". Lange Zeit baute Tailfingen auf seine Wasserversorgung aus eigenen Quellen. Im Jahr 1935 herrschte dort großer Wassermangel. Zu wenig Schnee und Regen im Winter und Frühling sowie ein trockener Sommer ließen die Quellen immer weniger Wasser schütten oder ganz versiegen. Das Obst fiel vorzeitig oder blieb klein. Der wertvolle Hopfen drohte Schaden zu nehmen. Das Gemüse in den Gärten vertrocknete. Wasser wurde dann aus Gültstein oder Altingen aus der Ammer geholt, um dem Wassermangel abzuhelfen. Ein paar muntere Zecher aus den Nachbarorten erzählten sich, die Tailfinger hätten auch Mann, Frau, Kind und Vieh losgeschickt, um der Wassernot durch Pinkeln abzuhelfen. 

Der schwäbische Ortsneckname für Nebringen ist "Spältlesgückeler". Zurückzuführen ist der Name wohl auf einen "nasenweisen" Bauern, der seine beobachteten Erkenntnisse im ganzen Ort kundtat. Sein deswegen anfängliches Ansehen ließ aber rasch nach, denn man konnte nicht sicher sein, das nächste Opfer seiner Tratscherei zu werden. Man vermutete, dass er das Geschehen durch die Spalten seiner Fensterläden der Bühnenfenster  beobachtete. Einige späte Zecher wollten dies beweisen und pinkelten an seine frisch gestrichene Mistemauer. Sofort klappten die Fensterläden auf und ein wüstes Geschimpfe ergoss sich über die Männer. In aller Ruhe beendeten diese ihr Geschäft und grölten laut „Spältlesgückeler, Spältlesgückeler“. 

Die Öschelbronner werden auch als "Kälblesschlecker" bezeichnet. Öschelbronn war bekannt für seine erfolgreiche Viehzucht. Bis nach Stuttgart handelten sie mit ihrem Vieh, hauptsächlich Mastochsen. Da sie auf dem Viehmarkt oft die höchsten Erlöse erzielten, weckte dies den Neid der Viehbauern der anderen Gemeinden. Es kamen Gerüchte auf, warum die Öschelbronner Kälber so gut und groß gewachsen sind. Einem Öschelbronner Bauern ging dies auf die Nerven und er erzählte im Scherz, dass die Kälber nach der Geburt  nicht von der Mutterkuh abgeschleckt werden, sondern dass die Bauern das selbst machen würden. Diese Geschichte verbreitete sich und lenkte davon ab, dass ein Vorfahre ein Kälble, das nach der Geburt von der Mutterkuh nicht angenommen wurde, tatsächlich selber abgeschleckt haben soll.

Dorfladen

Nachdem das letzte Lebensmittelgeschäft in Tailfingen geschlossen hatte, gründete sich 2011 eine Genossenschaft zur Einrichtung eines Dorfladens. Damit sollte die örtliche Nahversorgung der Bürger mit Waren des täglichen Bedarfs gesichert werden. In dem Gebäude des Dorfladens in der Hauptstraße befand sich schon früher ein Kolonialwarenladen, der zusammen mit der anschließenden Flaschnerwerkstatt zu einer Verkaufsfläche mit ca. 75 m² umgebaut wurde. Eröffnet wurde der Dorfladen 2012.

 

Gasthaus Zur Krone

Wie die „Krone“ waren auch „Sonne“, „Grüner Baum“, „Hirsch“ und „Bären“ soziale Treffpunkte der Tailfinger. Vor allem die Männer trafen sich hier nach Feierabend oder zum Frühschoppen und diskutierten über Ereignisse im Dorf und das Weltgeschehen. Hier fanden Vereinsversammlungen, -feste, Hochzeiten, aber auch Leichenschmause statt. Die zunehmende Motorisierung, Fernsehen, Internet und verschiedenste Freizeitmöglichkeiten machten viele Gaststätten unrentabel, einige schlossen.

Transkription der Urkunde von 1879 mit Anmerkungen in Klammer von Lothar Egeler

Dem Herrn Gottlieb Egeler, Sohn des verstorbenen Bauern in  Thailfingen, O.A. (= Oberamt) Herrenberg, welcher die am 21/25 Juli 1879 stattgehabte Maturitätsprüfung für Kandidaten technischer Fächer (Verfügung des K. Ministeriums vom 16. April 1862, § 28; Regierungsblatt S. 116, Bekanntmachung desselben K. Ministeriums vom 4. Juli 1862, Reg. blatt S. 167 und Verfügung desselben K. Ministeriums vom 20. August 1862, Reg. Blatt, S. 174) mit Erfolg erstanden hat, wird hierüber gegenwärtiges Zeugnis ausgestellt.

Stuttgart, den 31. Juli 1879

Mahnmal

Von November 1944 bis Februar 1945 existierte das KZ-Außenlager auf dem Militärflugplatz Hailfingen-Tailfingen. In dieser kurzen Zeit verstarben mindestens 189 der 601 inhaftierten jüdischen Häftlinge durch die unmenschlichen Bedingungen beim Ausbau des Flugplatzes. Der Gedenkstein wurde 1986 enthüllt. Angehörige der Opfer ergänzten mehrere Grabplatten. 2010 wurde eine Tafel mit den Namen der 75 hier beerdigten Juden angebracht.

Weitere Informationen finden Sie auch bei KZ Gedenkstätte Hailfingen • Tailfingen e. V.

Trockenmauern

Nachdem die ehemaligen Wengertterrassen kaum mehr genutzt wurden, zerfielen viele der Stützmauern und die Nutzflächen wucherten zu. Einige Besitzer erneuerten mit Hilfe der Gemeinde und eines internationalen Begegnungsprojekts mit jungen Erwachsenen diese Trockenmauern. Sie bieten nun wieder Lebensraum für wärmeliebende Tiere und Pflanzen. Die Terrassen können wieder genutzt werden. Die Sanierung der Mauern wurde dem Ökokonto der Gemeinde angerechnet als Ausgleichsmaßnahme für spätere Bauvorhaben.

Wengertstäffele

Vor der Motorisierung war das Stäffele aus Sandsteinstufen lange Zeit die kürzeste Verbindung zu Fuß vom Dorf zu den Grundstücken „Hinter den Weingärten“. Oberhalb im Wäldchen sind noch verwachsene Gruben zu sehen als Reste von Sandsteinbrüchen. Im Dorf selbst gab es das „Bende-Stäffele“. Es führte von der Brunnenstraße (früher Brunnengasse) hinab zur Flur „Binde“ im hinter dem Friedhof gelegenen Tal des Schmalbaches. Dieses Stäffele ist heute zugewachsen.

Auszug über die Landwirtschaft in Tailfingen aus der „Beschreibung des Oberamtes Herrenberg“ von 1855. Herausgegeben von dem königlichen statistisch-topographischen Bureau (Transkription und Anmerkungen in Klammer: Lothar Egeler)

Die klimatischen und Bodenverhältnisse sind äußerst günstig; die Luft ist rein und mild, und die mittelgroße, meist ebene, nur von einigen Thälchen durchzogene Markung, welche östlich an die Markungen Altingen und Reusten, südlich an Hailfingen, O.A. Rottenburg, westlich an Bondorf, Öschelbronn und Nebringen und nördlich an Gültstein grenzt, hat durchgängig einen sehr fruchtbaren, tiefgründigen, aus Diluviallehm bestehenden Boden, so dass ohne besonders starke Düngung alle Feldfrüchte, Obst, Bohnen, Gurken etc. vorzüglich gedeihen. Die ergiebigsten Felder liegen in der Reute, am Rottenburger Weg, im Lämmerhans, unter und ober dem Rainle etc. Hagelschlag kommt selten vor, da der Ort selbst auf einer Wetterscheide liegt und daher Thailfingen zuweilen bei der Wetterscheide genannt wird.

Unter den angeführten örtlichen Verhältnissen, verbunden mit dem Fleiß und der Umsicht der Einwohner, hat sich die Landwirtschaft auf eine blühende Stufe gehoben, auch haben zweckmäßige landwirtschaftliche Neuerungen, wie die Einführung der Walze und des Flanderpflugs, Eingang gefunden; wiewohl auch der deutsche Wendepflug immer noch im Gebrauch ist.

Nach der Dreifeldereintheilung baut man hauptsächlich Dinkel und wenig Roggen, sodann Hafer, Gerste, Wicken, unter dem Hafer werden häufig Ackerbohnen und unter der Gerste Linsen gezogen. In der zu ¼ angeblümten Brache zieht man Kartoffeln, Futterkräuter, besonders rothen Klee, etwas Ackerbohnen, Kohlraben, Kraut, ziemlich viel Reps und Hanf, letzteren übrigens meist in eigenen Ländern. Auf den Morgen beträgt die Aussaat 7-8 Simri (1 Simri = 22,153 l) Dinkel, 5 bis 6 Simri Hafer und 3-4 Simri Gerste, und der durchschnittliche Ertrag 10-12 Scheffel (1 Scheffel = 177,246 l) Dinkel, 7-8 Scheffel Hafer und 5 bis 6 Scheffel Gerste. Die Preise eines Morgens (1 Morgen = 31,52 Ar) Acker bewegen sich von 120-300 fl. (= Gulden). Von den Produkten wird sehr viel Dinkel, ziemlich Hafer, nur wenig Gerste und Reps nach Außen, besonders nach Tübingen und Nagold verkauft.

Wiesen sind im gewöhnlichen Verhältnis zu dem Ackerland zu wenig vorhanden; obwohl nur einige Morgen bewässert werden können, sind sie durchaus zweimähdig und ertragen an gutem Futter im Durchschnitt per Morgen 20-25 Centner Heu und in günstigen Jahren 10-12 Centner Oehmd, welch letzteres übrigens in trockenen Sommern öfters beinahe ganz fehlt. Von den geringsten Wiesen kostet der Morgen 180 fl, von den besten 400 fl.

Die noch im Zunehmen begriffene Obstzucht beschäftigt sich nicht nur mit Mostsorten, sondern auch mit Tafelobst; von Aepfeln, die übrigens nicht so häufig gezogen werden wie Birnen, pflanzt man hauptsächlich Fleiner, Luiken, Murkenthäler, Schelläpfel, Rainetten, und von Birnen Knausbirnen, Bogenäckerin, Bratbirnen, Kohlbirnen, Palmischbirnen etc.; von Steinobst sind es hauptsächlich Zwetschgen, die sehr häufig gezogen werden. Das Obst wird meist im Ort selbst verbraucht.

Die Gemeindepflege besitzt keine Waldungen, dagegen ist ein 221 Morgen großer Wald (Thailfinger Mark) vorhanden, an dem ursprünglich nur 54 Bürger Theil hatten, so dass einer derselben jährlich 2 Klafter (1 Klafter = 3,386 m³) Holz und 30-40 Stück kleine Wellen bezog, in dessen Ertrag von etwa jährlich 100 Klaftern und 18-19000 Stück Wellen sich aber gegenwärtig etwa 100 Einwohner theilen.

Zur Schäferei von ungefähr 250 Stücke, die man auch im Ort überwintert, wird die Brach- und Stoppelweide benützt, so zwar, dass jeder Bürger nach dem Steuerverhältnis eine Anzahl Schafe auf der Weide laufen lassen darf, wofür er von dem Schaf 1 fl., von dem Lamm 30 Kreuzer an die Gemeindekasse zu entrichten hat, was derselben nebst der Pferchnutzung jährlich etwa 400-500 fl. einträgt. Die Wolle kommt meist in Nagold und Ebhausen zum Verkauf.

Die Rindviehzucht ist ziemlich namhaft, könnte übrigens im Verhältnis zu dem ausgedehnten Ackerbau noch bedeutender sein, wenn der Mangel an Wiesen durch Futterkräuterbau ersetzt würde. Im Allgemeinen wird eine rothe Landrace durch zwei Gemeinde-Farren (worunter ein Schweizerfarren) und drei Privat-Farren nachgezüchtet; erstere hält ein Bürger gegen die Nutznießung von ¼  Wiesen nebst acht freien Pferchnächten und jährlich 100 fl. aus der Gemeindekasse. Der Handel mit Rindvieh ist nicht beträchtlich, auch wird die Pferdezucht mit Benützung der Beschälplatte in Herrenberg mit gutem Erfolg betrieben. Auch Schweine werden im Ort gezüchtet, jedoch sehr viele Ferkel in Tübingen aufgekauft und zu Läufern herangezogen, welche dann mit Vortheil wieder zum Verkauf kommen. Von einigem Belang ist die Bienenzucht, während Geflügel nur für den eigenen Bedarf gehalten wird.

Der Flurname oben am Wengertstäffele heißt „Hinter den Weingärten“. Er weist darauf hin, dass auf dem wärmeren Südhang davor Terrassen angelegt wurden, um darauf Weinbau zu betreiben. Laut der Ortschronik von Fritz Heimberger wurde Wein angebaut vor allem als Weinzehnter für das Kloster Bebenhausen entlang des Weges nach Gültstein und in den Gewannen Heckental, Aytlensberg, Hohe Eckart (hier am Stäffele). Im Jahr 1737 gab es noch 13 Morgen (1 Morgen = 31,52 Ar) Weingärten. Bereits in der Beschreibung des Oberamtes Herrenberg von 1855 wird für Tailfingen erwähnt, dass die Weingärten in Obstgärten umgewandelt wurden. Der Ausschnitt aus dieser Beschreibung ist in der Festschrift zum Gäufeldener Volksfest 1979 enthalten. Hier werden die guten landwirtschaftlichen Verhältnisse in Tailfingen beschrieben (siehe Text: Auszug aus der Beschreibung des Oberamtes Herrenberg).

Heute sind viele der Terrassen nicht mehr genutzt und verfallen. Einige Mauern wurden wieder instand gesetzt und die Terrassen dahinter nutzbar gemacht.

Historische Grenzsteine

Während der Flurbereinigung sammelte Kurt Bauer Grenzsteine, die nicht mehr gebraucht wurden und stellte sie hier auf. Im Laufe von Generationen ergaben sich aufgrund der Erbsitte der Realteilung zunehmend schmalere Besitzflächen: Jedes Grundstück wurde zu gleichen Teilen auf die Erben aufgeteilt. Um eine moderne Bewirtschaftung mit großen Maschinen zu ermöglichen, wurden bei der notwendigen Flurbereinigung die kleinen Flächen zu wenigen großen zusammengelegt.

 

Zunächst hat man natürliche Grenzmarkierungen benutzt, einen Bachlauf, Höhenrücken oder Waldrand. Seit dem 15. Jahrhundert sind dauerhafte Grenzsteine gesetzt worden. Sie markieren den exakten Grenzverlauf, die Kerbe auf dem Scheitel zeigt die Grenzlinie an. Jeweils auf der dem Besitzer zugewandten Seite sind seine Initialen oder Wappen eingemeißelt. Die Steine zeigten nicht nur Territorien (Baden, Württemberg) und Dorfgemarkungen an, sondern auch Forst-, Jagd-, Weide- oder Zehntrechte. Um die Richtigkeit eines Grenzsteins zu bezeugen, wurden Grenzsteinzeugen, z.B. aus Ton, unter dem Stein vergraben.

Grenzsteine sind die häufigsten Kleindenkmale. Bei Flurbereinigungen wurden sie in der Regel entfernt und durch bodenbündige Steine aus Granit oder Beton ersetzt. Die meisten historischen Grenzsteine sind deshalb in Wäldern erhalten geblieben. Kurt Bauer hat die entfernten Steine gesammelt, hier aufgestellt und so der Nachwelt erhalten.

Wasserreservoir

Der Entschluss, nur eigene Quellen zu nutzen, erwies sich für Tailfingen als unzureichend. Vom 1905 gegründeten Zweckverband Gäuwasserversorgung musste ab 1934 Wasser nach Bedarf bezogen werden. Es floss in dieses Reservoir. Hierher wurde auch das Wasser der eigenen Quellen aus dem Pumpenhäuschen in der Brunnenstraße gepumpt. Vom Reservoir wurde es in die Haushalte geleitet. Tailfingen trat erst 1978 dem Zweckverband bei und erhält sein ganzes Wasser aus dem neuen Reservoir in Nebringen.

Altes Ortsschild

Tailfingen gehörte zum 1758 gegründeten Oberamt Herrenberg. Dieser württembergische Verwaltungsbezirk wurde ab 1806 nach Erhebung zum Königreich nach Süden erweitert. 1934 erfolgte die Umbenennung in Kreis Herrenberg, der schließlich 1938 aufgelöst wurde. Das Schild stammt also aus der Zeit vor 1934. Die 27 Gemeinden des Oberamts wurden nach der Auflösung den Kreisen Böblingen und Tübingen zugeteilt. In jener Zeit wurden die Ortsschilder häufig mit Werbung finanziert.

Auszug aus der „Beschreibung des Oberamtes Herrenberg“ von 1855 (Transkription und Anmerkungen in Klammern von Lothar Egeler) 

Thailfingen, 

Gemeinde III. Klasse mit 672 evang. Einw., Ev. Pfarrei mit dem Filialort Nebringen.

Der nicht große, beinahe ein Dreieck bildende Ort, liegt 5/4 Stunden südlich von Herrenberg auf einem ziemlich schmalen Bergrückenausläufer, der gegen Norden steil gegen das Thal des Thürnengrabens, gegen Süden aber mit mäßiger Neigung abfällt; daher das Dorf, von der nördlichen Seite gesehen, namhaft hoch gelegen erscheint und eine freundliche, malerische Ansicht gewährt, der eine an dem östlichen, spitzen Ortsende stehende, kräftige Linde noch mehr Reiz verleiht. Der Ort selbst besteht mit Ausnahme einiger wohlhäbig aussehenden Bauernwohnungen aus meist alten, minder ansehnlichen Häusern und hat im Allgemeinen eine unebene, theils gegen Osten, theils gegen Norden geneigte Lage. Die ziemlich reinlich gehaltenen Ortsstraßen sind nicht gekandelt, ebenso sind die Düngerstätten noch nach alter Weise angelegt, jedoch durchgehend mit Gülleneinrichtungen versehen. Beinahe in der Mitte des Orts steht die 1469 in einfachem germanischen Styl erbaute Pfarrkirche, welche übrigens in den Jahren 1699 und 1817 stylwidrige Veränderungen erlitten hat. Der viereckige Thurm, von dessen drei Stockwerken die zwei untersten massiv erbaut sind, ist nicht hoch und ragt nur mit seinem einfachen Zeltdach über den First der Kirche empor, auf demselben hängen drei Glocken, von denen eine, im Jahre 1512 gegossene, sehr groß ist, die mittlere ist von 1629 und die kleinste, sehr alte, trägt die vier Evangelistennamen in verkehrter ganz roh ausgeführter Schrift. Das Innere der Kirche hat außer einem alten Taufstein und einem gut aus Holz geschnittenen, in neuerer Zeit kunstlos angestrichenen, lebensgroßen Bild des Gekreuzigten nichts Bemerkenswerthes. Das untere Stockwerk des Thurms hat ein Kreuzgewölbe mit dem Christuskopf auf dem Schlußsteine und trägt noch einzelne Spuren romanischer Bauweise, welche bekunden, daß der Thurm weit älter ist, als das gegenwärtige Langhaus. Die Baulast der Kirche hat zu 2/3 die örtliche Stiftungspflege und zu 1/3 der Heilige in Nebringen zu bestreiten. Der ummmauerte, ziemlich große Begräbnisplatz liegt außerhalb (östlich) des Ortes.

Zunächst der Kirche steht das ansehnliche, von der k. Hofdomänenkammer zu erhaltende Pfarrhaus, welches 1614 von Heinrich Schickhardt erbaut wurde. Das zugleich die Lehrerwohnung enthaltende Schulhaus wurde in den letzten zwanzig Jahren namhaft verändert und verbessert; an der Volksschule ist ein Schulmeister mit einem Lehrgehülfen angestellt, auch besteht seit 1850 eine Industrieschule mit gutem Erfolg unter Mitwirkung der Gattin des dermaligen Pfarrers Dürr. Das Rathaus ist alt, unansehnlich und einer Reparatur sehr bedürftig. Ein Gemeindebackhaus wurde vor zehn Jahren errichtet, und ein öffentliches Waschhaus besteht schon längst; zwei Zehntscheuern, von denen eine der Hofdomänenkammer, die andere dem Spital in Tübingen gehörte, sind im Jahre 1850 in Folge der Zehntablösung an einige Ortsbürger verkauft worden.

Ein laufender und sieben Pump- und Ziehbrunnen liefern das ganze Jahr hindurch vortreffliches Trinkwasser; auf den Fall von Feuersgefahr sind zwei Wetten angelegt. Außerhalb des Orts finden sich auf der Markung zerstreut noch fünf starke Brunnquellen und zwei sogenannte Hungerbrunnen; von den letzteren einer in dem sogenannten heiligen Grund, der andere in den ehemaligen, nun zu Obstgärten umgewandelten Weinbergen. Etwa ¼ Stunde südlich vom Ort bestand ein 11/2 Morgen (1 Morgen = 31,52 ar) großer Weiher.

Die Einwohner sind im Allgemeinen ein wohlgebauter, kräftiger Menschenschlag und verbinden mit großem Fleiß viel Sparsamkeit und Religiosität, die übrigens nicht selten in einen strengen Pietismus übergeht. Ihre Vermögensumstände sind sehr erfreulich und geordnet, so daß in vierzig Jahren nicht ein einziger Gant (Anmerkung: Zwangsverkauf der Güter eines Überschuldeten) in der Gemeinde vorkam; das Grundeigentum des vermöglichsten Güterbesitzers beträgt 120 Morgen Acker und 10 Morgen Wiese.

Backhaus

Die Beschreibung des Oberamts Herrenberg erwähnt 1845 den Bau eines früheren Backhauses. Der Tailfinger Milchgenossenschaft wurde 1929 neben der Molkerei der Bau dieses Backhauses mit drei Öfen und einer Backstube genehmigt. Eine Besonderheit des Backhauses in Tailfingen waren die eingebauten Badekabinen. Damals besaßen die Häuser keine Badezimmer wie heute. Man wusch sich oder badete in einer Blechwanne. Hier bot sich nun die Gelegenheit, gegen eine geringe Gebühr ein Vollbad zu nehmen.

Schmiedesymbol

Michael Lutz wurde 1903 der Einbau einer Schmiedewerkstatt in sein Gebäude genehmigt. Über der heute zugemauerten Eingangstür war dieses Symbol der Schmiede angebracht. Die Tür und ein Fenster waren zur Nebringer Straße hin ausgerichtet. Im hinteren Sandsteinhäuschen des Nachbargebäudes Nr. 10 befand sich schon vor 1897 eine ältere Schmiedewerkstatt. Damals baute dort Bernhard Bauer die Schmiede in eine Hopfentrocknungsanlage um.

Rossweg-Brunnen

Dieser Laufbrunnen wurde 1986 bei der Erneuerung der Nebringer Straße zusammen mit den Sandsteinmäuerchen und der Sitzgelegenheit auf dem kleinen Platz errichtet. Das Wasser wird vom Pumpenhäuschen an der Brunnenstraße hochgepumpt und läuft dann wieder über den weiter unten gelegenen Lindenbrunnen zurück. Früher befand sich einige Meter weiter oben an der Nebringer Straße (früher Rossweg) ein Laufbrunnen beim Zugang zu den hinten liegenden Gebäuden.

Lindenbrunnen

Die Straße nach Nebringen wurde erst Anfang der 1930er Jahre vom Freiwilligen Arbeitsdienst gebaut. Ein im Weg stehender Brunnen mit drei Holztrögen musste deshalb entfernt werden. Bei der im 19. Jahrhundert gepflanzten und 2019 entfernten Friedenslinde wurde dann ein neuer Brunnen mit zwei rechtwinklig zueinander stehenden Metalltrögen errichtet. Er erhielt sein Wasser aus der Quelle im Grund. Im Zuge der Erneuerung und Erhöhung der Nebringer Straße wurde 1986 der heutige Brunnen errichtet. Er erhält sein Wasser vom Rossweg-Brunnen, der sich weiter oben an der Straße befindet.

Alle früheren Brunnen in den drei Ortsteilen bezogen ihr Wasser aus dem Gestein des   Lettenkeupers. Die Bedeutung des Gesteinsuntergrundes nicht nur bezüglich der Wasserversorgung für die Bewohner des Gäus wird beim Kleindenkmal Quellfassung an der Jettinger Straße (nicht im Pfad) in Öschelbronn ausführlich erläutert.

Pumpenhaus

Um die Wasserversorgung zu verbessern, wurde 1901 das „Wasserhäusle" gebaut, unter dem sich in einem Becken das Wasser der Tailfinger Quellen sammelte. Ein System aus drei hydraulischen Widdern pumpte es abschnittsweise hoch in ein Reservoir, von wo aus früher die öffentlichen Brunnen, dann die Hausleitungen gespeist wurden. Später übernahm dies eine, über einen Dieselmotor betriebene, Pumpe. Das „Wasserhäusle" stellte erst 1979 den Betrieb ein, als das gesamte Wasser über den Zweckverband Gäuwasserversorgung aus dem Reservoir in Nebringen geliefert wurde.